Endlich werden wieder Kreuze aufgehängt statt abgehängt. Und das sollte auch die Geistlichen beider christlichen Konfessionen eigentlich erfreuen. Wenn nun harsche Kritik gegen die „flüchtige Begegnung“ mit dem Kreuz im Eingang bayerischer Behörden vorgebracht wird, so braucht uns das eigentlich nicht mehr befremden. Erinnern wir uns: Als Bischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx bei einem Besuch unlängst in Jerusalem mit einer tiefen Verbeugung vor dem Islam ihre Brustkreuze ablegten, konnte das schon als eine peinliche Unterwürfigkeit gegenüber einer Religion gewertet werden, die mit unserem christlichen Menschenbild und unserer Lebensweise nicht in Einklang zu bringen ist.

Aber die evangelische und katholische Kirche in Bayern haben auch schon bessere Zeiten gesehen. In der Regierungszeit Edmund Stoibers demonstrierten 1995 in München über 30.000 Menschen für die Beibehaltung des Kreuzes in den Schulklassen und somit gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dabei waren in vorderster Front der damalige evangelische Landesbischof v. Loewenich und der katholische Kardinal Wetter. Das Kreuz blieb in den Schulräumen hängen, wurde aber durch eine „Widerspruchslösung“ im Sinne einer negativen Religionsfreiheit auch für Nichtgläubige akzeptabel. Der Umgang mit dem Kreuz der beiden Kirchenfürsten Bedford-Strohm und Marx hat nun endlich auch im Vatikan heftige Reaktion hervorgerufen. Der Vertreter des Heiligen Stuhls in Österreich kritisierte unmissverständlich: „Als Nuntius und als Vertreter des Heiligen Vaters bin ich schon traurig und beschämt, dass wenn in einem Nachbarland Kreuze errichtet werden, ausgerechnet Bischöfe und Priester dies kritisieren müssen.“

Wenn wir täglich erleben müssen, was sich im Namen des Islam gegenüber unserem Kultur- und Rechtsverständnis ereignet, kann das Kreuz einen Beitrag dazu leisten, unseren eignen Wertvorstellungen wieder zu schärfen und damit auch denen zu dienen, die sich mit unserem christlichen Glauben nicht identifizieren wollen. Das Kreuz ist nicht dazu da, Herrschaftsansprüche und Indoktrination durchzusetzen, sondern zu erinnern, dass alle Menschen, die Hilfe bei bayerischen Behörden in Rahmen unserer rechtsstaatlichen Ordnung suchen, mit Respekt, Wohlwollen und Anstand zu behandeln sind. Natürlich darf das Kreuz nicht ausgrenzen, wohl aber gegenüber Weltanschauungen abgrenzen, die mit dem Freiheitsverständnis des Menschen in europäischen Verfassungen in Kollision stehen. Es muss auch das Ziel der christlichen Kirchen sein, dass Menschen aus anderen Kulturkreisen, die zu uns kommen, sich von mittelalterlichen Vorstellungen des Zusammenlebens läsen und die Würde des Menschen als erstes Gebot des Zusammenlebens begreifen. Dazu gehört auch, dass die Kirchen endlich aufhören, sich mehr oder weniger devot gegenüber islamischen Würdenträgern zu verhalten.

Der kritische Dialog sollte in Zukunft das Gebot der Stunde sein. Nur so dienen sie unserer Freiheit und auch dem Freiheitsdrang vieler liberaler bzw. weltlicher Muslime.

Das Kreuz in Behörden dient den Menschen